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Recruiting · Fachkräftemangel

Warum die Entspannung beim Fachkräftemangel eine Falle ist

Von Dirk Fuhrmann · · ca. 5 min Lesezeit

Der Fachkräftemangel entspannt sich, sagen die Zahlen. 22,7 Prozent der Betriebe melden aktuell fehlende Fachkräfte, laut ifo-Institut der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Das klingt nach guten Nachrichten. Der Eindruck täuscht.

Die Entspannung hängt an der Konjunktur. Die Ursache des Mangels liegt in der Altersstruktur der Belegschaften. Das sind zwei verschiedene Dinge, und wer sie verwechselt, trifft in den nächsten zwei Jahren die falsche Personalentscheidung.

Was hier wirklich passiert

Weniger Betriebe suchen derzeit Personal, weil die Wirtschaft schwächelt. Der Anteil der Unternehmen ohne aktuellen Personalbedarf stieg laut DIHK-Fachkräftereport von 44 auf 48 Prozent. Mehr Fachkräfte gibt es dadurch nicht. Es suchen lediglich weniger Betriebe.

Die demografische Entwicklung läuft unabhängig davon weiter. In den nächsten Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, und es rücken weniger junge Menschen nach. Diese Rechnung ändert sich nicht, egal wie die Konjunktur gerade steht.

Ein Vergleich macht den Unterschied anschaulich. Ein Betrieb mit Liquiditätsproblemen wirkt von außen ruhig, solange niemand in die Bilanz schaut. Die Rechnungen laufen trotzdem weiter. Am Arbeitsmarkt beruhigt sich derzeit die Oberfläche, die Altersstruktur darunter bleibt gleich.

Warum das für Deinen Betrieb gefährlich ist

Ein Handwerksbetrieb, der sein Recruiting jetzt herunterfährt, weil es gerade ruhiger ist, macht genau den Fehler, den die Zahlen nahelegen. Zieht die Konjunktur wieder an, treffen zwei Dinge zugleich auf den Betrieb: der aufgestaute Personalbedarf durch neues Wachstum und die demografische Lücke, die in der Zwischenzeit weitergewachsen ist.

Besonders spürbar bleibt der Engpass in Branchen, die schon jetzt unter Druck stehen. Im Bau melden weiterhin überdurchschnittlich viele Unternehmen offene Stellen, die sie nicht besetzen können. Solche Engpässe verschwinden nicht durch eine ruhigere Auftragslage. Sie werden nur kurzzeitig überdeckt.

Stell Dir einen Sanitärbetrieb mit zwölf Mitarbeitenden vor. Drei erfahrene Monteure gehen in den nächsten vier Jahren in Rente. Das Tagesgeschäft läuft ruhig, die Aufträge kommen über Bestandskunden. Beginnt die Suche erst später, steht der Betrieb in vier Jahren vor drei offenen Stellen, möglicherweise in einem Markt, in dem jeder Wettbewerber ebenfalls sucht.

Der Denkfehler, der Betriebe teuer zu stehen kommt

„Wir suchen gerade niemanden“ ist ein Satz aus einer Momentaufnahme. Employer Branding, eine funktionierende Karriereseite und ein Recruiting-Prozess, der nicht bei jeder Vakanz neu entsteht, lassen sich nicht in drei Wochen aufbauen, wenn der Bedarf plötzlich zurückkehrt.

Betriebe, die jetzt in ihre Arbeitgebermarke investieren, während der Wettbewerb pausiert, verschaffen sich einen Vorsprung, der mit der Zeit wirkt. Wer wartet, bis der Fachkräftemangel wieder in den Nachrichten steht, startet zeitgleich mit allen anderen.

Dazu kommt ein Kostenargument. Recruiting in einer angespannten Marktphase kann mehr Zeit und mehr Anzeigenbudget kosten, und Kandidaten verhandeln dann eher mehrere Angebote gleichzeitig. Wer in der ruhigen Phase bereits Kontakte aufgebaut hat, verhandelt aus einer besseren Position.

Was das für die Personalplanung bedeutet

Prüfe, welche Positionen in Deinem Betrieb in den nächsten zwei bis drei Jahren durch Renteneintritte frei werden. Diese Zahl hängt nicht von der Konjunktur ab. Baue Deine Recruiting-Strategie auf ihr auf.

Praktisch heißt das drei Schritte: eine Altersstruktur-Analyse im eigenen Betrieb, eine ehrliche Einschätzung, welche Positionen sich schwer nachbesetzen lassen, und eine Recruiting-Aktivität, die auch ohne akute Vakanz weiterläuft. Das ist eine Gewohnheit.

Wer 2027 oder 2028 überrascht wird, hätte die Zahlen kennen können. Dafür braucht es kein Großprojekt. Eine Software erstellt Anzeige und Bewerbungsstrecke, und die eingehenden Bewerbungen laufen an einer Stelle zusammen.