Fachkräftemangel · Statistik
Was die 22,7 Prozent wirklich bedeuten
22,7 Prozent der Betriebe melden aktuell fehlende Fachkräfte. Das ist laut ifo-Institut der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Auf den ersten Blick ist das eine gute Nachricht für jeden, der im Handwerk oder in KMU Personal sucht. Bei genauerem Hinsehen ist die Zahl missverständlich.
Woher die Zahl kommt
Der Rückgang hängt eng mit der schwächeren Konjunktur zusammen. Weniger Aufträge bedeuten weniger akuten Personalbedarf, und weniger akuter Personalbedarf bedeutet weniger gemeldete Engpässe. Das ifo-Institut weist darauf hin, dass neben der konjunkturellen Schwäche auch der zunehmende Einsatz von KI die aktuelle Entspannung am Arbeitsmarkt fördert.
Beide Faktoren können vorübergehend sein oder betreffen bestimmte Tätigkeitsbereiche. An der demografischen Lage ändern sie nichts. Die Zahl 22,7 Prozent beschreibt einen Zustand.
Was die Zahl nicht zeigt
Sie sagt nichts darüber, wie viele Betriebe derzeit keine Neueinstellungen planen, weil ihnen das Budget dafür fehlt. Der Anteil der Betriebe ohne aktuellen Personalbedarf stieg laut DIHK von 44 auf 48 Prozent, ein Hinweis auf zurückhaltende Investitionsplanung.
Sie zeigt auch die Branchenunterschiede nicht. Während die Gesamtzahl sinkt, bleiben Bau und Transport überdurchschnittlich betroffen.
Eine bundesweite Durchschnittszahl gleicht solche Unterschiede aus. Für einen Pflegedienst oder einen Bauunternehmer sagt die Zahl 22,7 Prozent daher wenig aus, weil die eigene Branche eine andere Ausgangslage haben kann als der Durchschnitt.
Der Denkfehler bei dieser Zahl
Wer 22,7 Prozent liest und daraus schließt, Fachkräftesicherung habe an Dringlichkeit verloren, verwechselt eine Momentaufnahme mit einer strukturellen Verbesserung. Warum diese Verwechslung teuer werden kann, zeigen wir im Beitrag Warum Dein Handwerksbetrieb schon jetzt planen muss.
Laut DIHK erwarten 83 Prozent der Unternehmen auch in den kommenden Jahren negative Folgen durch den Fachkräftemangel. Diese Erwartung passt nicht zu der Vorstellung, das Problem gehe zurück.
Auch der Mikrozensus 2025 liefert einen Hinweis: 68,3 Prozent der Erwerbslosen und 59,5 Prozent der Stillen Reserve haben mindestens ein mittleres oder hohes Qualifikationsniveau. Es gibt also Menschen mit passender Qualifikation, die Betriebe bislang nicht erreichen.
Was Du stattdessen im Blick behalten solltest
Statt der Gesamtquote lohnt sich der Blick auf die eigene Branche und die Altersstruktur im Betrieb. Was eine unbesetzte Stelle Deinen Betrieb kostet, kannst Du mit unserem Verlustrechner nicht besetzter Stellen überschlagen.
Aus der Zahl lässt sich eine Kampagne machen: Eine Software erstellt Anzeige und Bewerbungsstrecke, die Kampagne erscheint auf Meta und weiteren Kanälen.