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Recruiting · Handwerk

Warum Dein Handwerksbetrieb schon jetzt planen muss

Von Dirk Fuhrmann · · ca. 5 min Lesezeit

Die Zahlen beruhigen: Nur noch 22,7 Prozent der Betriebe melden laut ifo-Institut fehlende Fachkräfte, und bei der Bundesagentur für Arbeit sind weniger offene Stellen gemeldet als im Vorjahr. Wer daraus schließt, Personalplanung habe gerade keine Priorität, verwechselt eine Momentaufnahme mit einem Trend.

Die Zahl, die nicht sinkt

Während die Quote der Betriebe mit Fachkräftemangel nachlässt, bleibt eine andere Größe im Blick: das Alter der Belegschaft. Sie ändert sich nicht durch eine schwächere Auftragslage. Für Deinen Betrieb lässt sie sich an einer Frage ablesen: Wer im Team ist heute 55 oder älter?

Für einen Handwerksbetrieb heißt das: Auch ohne akuten Personalbedarf kann ein Generationswechsel bevorstehen, der sich nicht kurzfristig lösen lässt.

Stell Dir einen Elektrobetrieb mit acht Mitarbeitenden vor, in dem zwei Mitarbeiter über 60 sind. Beide sind fachlich unverzichtbar, einer betreut seit Jahren die größten Gewerbekunden persönlich. Gehen beide innerhalb von zwei Jahren, ohne dass eine Nachfolge eingearbeitet ist, verliert der Betrieb Personal und dazu Kundenbeziehungen, die über Jahre gewachsen sind.

Warum kurzfristiges Denken hier teuer wird

Ein erfahrener Mitarbeiter, der in zwei Jahren in Rente geht, nimmt Wissen mit, das in keinem Handbuch steht: Kundenbeziehungen, technisches Gespür, informelle Abläufe im Betrieb. Beginnt die Suche erst, wenn die Stelle frei wird, fehlt die Zeit für Einarbeitung und Wissensübergabe.

Ein Recruiting-Prozess kann im Handwerk mehrere Monate dauern, von der ersten Anzeige bis zum Arbeitsvertrag. Wer erst reagiert, wenn die Lücke akut ist, verliert die Zeit, die für eine geordnete Übergabe gebraucht würde.

Nimm eine Übergabezeit von sechs bis zwölf Monaten an, in der die neue Fachkraft eingearbeitet wird. Dann zeigt sich: Ein Recruiting-Prozess, der erst nach Kündigung oder Renteneintritt beginnt, kommt zu spät.

Was vorausschauende Planung konkret bedeutet

Der erste Schritt ist eine ehrliche Altersstruktur-Analyse im eigenen Betrieb. Welche Positionen sind in den nächsten drei bis fünf Jahren von einem Renteneintritt betroffen? Diese Übersicht kostet einen Nachmittag und ist die Grundlage für alles Weitere.

Der zweite Schritt ist, Recruiting als laufenden Prozess zu verstehen. Warum diese Haltung gerade jetzt zählt, zeigen wir im Beitrag Warum die Entspannung beim Fachkräftemangel eine Falle ist.

Der dritte Schritt ist die Wissensübergabe selbst: Wer eine Nachfolge früh einstellt, kann sie mehrere Monate parallel zum ausscheidenden Mitarbeiter arbeiten lassen. Das kostet kurzfristig zwei Gehälter auf einer Stelle und erspart die Fehler, die bei abrupten Übergaben entstehen.

Der Unterschied zwischen ruhig und sicher

Weniger akuter Druck bedeutet, dass Zeit da ist, die in akuten Phasen fehlt: Zeit für den Aufbau einer Arbeitgebermarke, für Beziehungen zu Berufsschulen, für eine strukturierte Nachfolgeplanung.

Wer diese Zeit jetzt nutzt, ist vorbereitet, wenn der nächste Mitarbeiter seinen Renteneintritt ankündigt. Eine Software erstellt Anzeige und Bewerbungsstrecke, sodass die Suche schon läuft, bevor die Stelle frei wird.