Personalplanung
Dauerhaft Mitarbeiter gewinnen im Handwerk: Warum gutes Recruiting vor der offenen Stelle beginnt
Kurz gesagt: Dauerhaftes Recruiting heißt, als Arbeitgeber sichtbar zu bleiben und Kontakte zu Fachkräften aufzubauen, bevor eine Stelle frei wird. Hier liest Du, warum das wichtig ist, was zu einem wiederholbaren Recruiting-System gehört und welche Rolle Mitarbeiterempfehlungen und ein Talentpool spielen.
Montagmorgen, kurz nach sieben. Ein Mitarbeiter bittet Dich um ein Gespräch. Er hat sich entschieden, den Betrieb zu verlassen.
Du kennst die Folgen. Die Arbeit verteilt sich auf die Kollegen. Du selbst springst öfter ein. Und die Suche nach Ersatz muss möglichst schnell beginnen.
Jetzt startet das Recruiting. Eigentlich viel zu spät.
Was wäre, wenn Dein Betrieb schon heute Kontakte zu den Fachkräften aufbaut, die Du morgen vielleicht brauchst?
Darum geht es bei dauerhaftem Recruiting im Handwerk.
Was bedeutet dauerhaftes Recruiting?
Dauerhaftes Recruiting heißt, mögliche Mitarbeiter auch dann anzusprechen, wenn gerade keine Stelle offen ist. Ein Betrieb sorgt regelmäßig dafür, als Arbeitgeber sichtbar zu bleiben, baut Kontakte zu passenden Menschen auf und kann bei neuem Personalbedarf schneller reagieren.
Dafür musst Du nicht dauerhaft Geld für Stellenanzeigen ausgeben. Personalgewinnung wird zu einem geplanten Ablauf und beginnt nicht jedes Mal hektisch von vorn.
Der Fachkräftemarkt funktioniert wie ein Eisberg
Wenn Du heute einen Elektroniker suchst, erreichst Du über Jobportale vor allem Menschen, die schon aktiv über einen Wechsel nachdenken.
Viele mögliche Kandidaten sind aber gerade beschäftigt und schauen gar nicht nach Stellenanzeigen. Manche sind zufrieden. Manche denken ab und zu über einen Wechsel nach. Andere würden nur wechseln, wenn ihnen ein wirklich interessantes Angebot begegnet.
Sie bilden den weniger sichtbaren Teil des Recruiting-Eisbergs.
Wer nur dann sichtbar wird, wenn eine Stelle frei ist, verpasst womöglich genau diese Kontakte. Wer dauerhaft als Arbeitgeber präsent bleibt, baut früh Interesse und Vertrauen auf.
Warum Sichtbarkeit vor dem Personalbedarf so wichtig ist
Ein guter Dachdecker wechselt den Arbeitgeber nicht automatisch, nur weil er eine Anzeige sieht.
Er will vielleicht wissen, mit wem er künftig arbeitet. Wie die Baustellen organisiert sind. Wie der Chef mit Problemen umgeht.
Diese Fragen entstehen lange vor dem Bewerbungsgespräch. Deshalb lohnt es sich, regelmäßig echte Einblicke in den Betrieb zu geben.
Zeig Deine Mitarbeiter. Erklär, was Ihr besonders gut macht. Lass Menschen sehen, wie Ihr miteinander arbeitet.
So entsteht Schritt für Schritt ein Bild Deines Betriebs. Wird später eine Stelle frei, beginnt der Kontakt nicht bei null.
Ein Recruiting-System, das Du immer wieder nutzen kannst
Viele Betriebe behandeln jede offene Stelle wie ein neues Projekt. Neue Texte schreiben. Neue Anzeigen entwickeln. Wieder überlegen, welche Kanäle funktionieren könnten.
Dabei lassen sich viele Schritte standardisieren. Ein wiederholbares Recruiting-System enthält zum Beispiel:
- klare Anforderungen an die gesuchten Mitarbeiter
- eine glaubwürdige Positionierung als Arbeitgeber
- vorbereitete Abläufe für Recruiting-Kampagnen
- einen einfachen Bewerbungsweg
- einen strukturierten ersten Kontakt
- eine nachvollziehbare Auswertung der Ergebnisse
Ein geeignetes Recruiting-Tool hilft, diese Schritte zu organisieren und bei der nächsten Stelle wieder zu verwenden. So wächst mit jeder Kampagne Dein Wissen darüber, welche Ansprache und welche Kanäle für Deinen Betrieb funktionieren.
Wie eine einzelne Kampagne in fünf Schritten entsteht, steht im Artikel Social Recruiting selbst machen.
Mitarbeiterempfehlungen gehören dazu
Deine Mitarbeiter kennen oft Menschen aus ihrem Beruf. Frühere Kollegen. Ehemalige Mitschüler aus der Berufsschule. Bekannte aus der Branche.
Dieser Weg ist belegt wirksam: Laut IAB-Stellenerhebung waren persönliche Kontakte und die Empfehlung eigener Mitarbeiter 2015 mit knapp 30 Prozent der häufigste Weg, über den Neueinstellungen in Deutschland zustande kamen.1
Ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm bezieht diese Kontakte geordnet ein. Du musst die Belegschaft dafür nicht ständig um neue Kandidaten bitten. Es braucht einen klaren Ablauf: Deine Leute wissen, welche Stellen gesucht sind, wie sie jemanden empfehlen und was danach passiert.
Das ergänzt Social Recruiting und öffnet Deinem Betrieb zusätzliche Kontakte.
Kontinuierlich gewinnen heißt nicht kontinuierlich einstellen
Ein verbreitetes Missverständnis: Wer dauerhaft Recruiting betreibt, muss ständig neue Leute einstellen.
Das stimmt nicht. Du kannst auch ohne offene Stelle als Arbeitgeber sichtbar bleiben, Kontakte aufbauen und Deine Karriereseite aktuell halten. Entsteht später Bedarf, bist Du besser vorbereitet.
Datenschutz und offene Kommunikation gehören selbstverständlich dazu. Das gilt besonders, wenn Du Kontaktdaten für einen späteren Talentpool speichern willst: Dafür brauchst Du in der Regel die Einwilligung der Person.
Was bringt ein wiederholbarer Recruiting-Prozess?
Vor allem mehr Planbarkeit.
Du musst nicht bei jeder offenen Stelle alle Grundlagen neu erarbeiten. Du weißt schon, welche Informationen Du brauchst, wie Deine Kampagnen vorbereitet werden und wie die Kommunikation mit Kandidaten läuft.
Jede Stellenbesetzung geht dadurch nicht automatisch schneller. Dein Betrieb ist aber besser auf neuen Personalbedarf vorbereitet. Und das macht einen großen Unterschied.
Mach Personalgewinnung zu einem festen Bestandteil Deines Betriebs
Aufträge planst Du, bevor der Kunde vor der Tür steht. Material bestellst Du, bevor die Baustelle stillsteht.
Warum sollte Personalgewinnung anders laufen?
Mit einem strukturierten Recruiting-System legst Du heute die Grundlage, um morgen schneller handeln zu können. Ein Self-Service-Tool hilft Dir, Kampagnen vorzubereiten, wiederkehrende Aufgaben zu vereinfachen und Dein Recruiting selbst zu steuern.
Ob Du dafür eine Agentur brauchst, klärt der Artikel Recruiting im Handwerk ohne Agentur. Den Überblick gibt Recruiting im Handwerk.
Die beste Zeit, sich um gute Mitarbeiter zu kümmern, ist bevor einer fehlt.
Quellen
- IAB-Kurzbericht 04/2016: Neueinstellungen im Jahr 2015. Stellen werden häufig über persönliche Kontakte besetzt. Brenzel u. a., Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg. https://doku.iab.de/kurzber/2016/kb0416.pdf
Häufige Fragen
Fragen zum Thema
Was bedeutet dauerhaftes Recruiting?
Ein Betrieb spricht mögliche Mitarbeiter auch dann an, wenn gerade keine Stelle offen ist. Er bleibt als Arbeitgeber sichtbar, baut Kontakte auf und kann bei neuem Bedarf schneller reagieren.
Was gehört zu einem wiederholbaren Recruiting-System?
Klare Anforderungen an die gesuchten Mitarbeiter, eine glaubwürdige Positionierung als Arbeitgeber, vorbereitete Kampagnenabläufe, ein einfacher Bewerbungsweg, ein strukturierter erster Kontakt und eine nachvollziehbare Auswertung.
Lohnen sich Mitarbeiterempfehlungen im Handwerk?
Persönliche Kontakte und Empfehlungen eigener Mitarbeiter waren laut IAB-Stellenerhebung 2015 mit knapp 30 Prozent der häufigste Weg zu einer Neueinstellung in Deutschland. Ein klarer Ablauf für Empfehlungen bezieht diese Kontakte geordnet ein.
Darf ich Bewerberdaten für einen Talentpool speichern?
Dafür brauchst Du in der Regel die Einwilligung der Person, und Du informierst offen darüber, wofür und wie lange Du die Daten speicherst. Im Zweifel klärst Du das mit Deinem Datenschutzbeauftragten.